Kajak - Faltboot Skin-on-Air-Frame - Sonnet 16

Leichtes Faltkajak mit Luftkammern und Alustreben, bezogen mit PVC beschichtetem Gewebe
Hersteller Ruedi Anneler, Biber Boote Schweiz - Nach einer Idee von Thomas Yost, USA

Abmessungen
Aufgebaut 20 x 52 x 4'880 cm, Packmass ca. 50 x 35 x 110 cm, Gewicht ca. 11 Kg

Ergebnis

Verwendung

Der Aufbau ist wegen der wenigen Einzelteile schnell und einfach. Nach rund zehn Minuten bin ich schon auf dem Weg zum Wasser.

Motivation

Es wäre halt schon praktisch, wenn man ab und zu mit dem öffentlichen Verkehr oder dem Fahrrad auf eine anderes Gewässer zum Paddeln gehen könnte ... ein faltbares Boot muss her!

Voraussetzungen

Der Aufbau ist einfach. Es hilft aber auf jeden Fall, wenn man etwas Erfahrung mit der Bearbeitung von Holz und nicht gerade zwei linke Hände hat.

Man kann dieses Boot im Freien bauen. Im Winter oder bei schlechtem Wetter ist aber ein geschützter Platz mit einer Länge von ca. 6 Metern und einer Breite von ca. 3 Metern von Vorteil.

Für den Bau braucht man nur einige einfache Werkzeuge:

  • Ein Metermass
  • Einen Bleistift
  • Ein Teppichmesser
  • Eine Schere
  • Einen kleinen Handhobel
  • Eine Japansäge
  • Eine Eisensäge
  • Zwei Unterstellböcke
  • Wegwerfpinsel zum Auftragen von Kleber
  • Einen Torx-Schraubendreher
  • Eine einfache Rohrbiegevorrichtung
  • Eine Bohrmaschine
  • Eine Stichsäge (optional)

Beschaffung

Bauanleitung

Eine Bauanleitung in englischer Sprache ist hier zu finden.

Material

Auftriebskörper
Folbot Sponson für Kajak Kodiak, 3.5” x 13.5” US/$ 38.- / Stk.
Folbot Sponson für Kajak Greenland II 3.5” x 15” US/$ 38.- / Stk.
Die Firma Folbot in den USA hat mittlerweile ihre Geschäftstätigkeit eingestellt.
Deshalb selber machen oder (besser) bei einer Firma, die PVC HF-Schweissen kann, anfertigen lassen (z.B. Zölzer in Deutschland).

Holz (für Baugerüst)
Leisten, Spanplatten und Sperrholz sind im Baumarkt zu bekommen

Aluminiumrohr
Thomas Yost verwendet nur in den USA zu bekommende Alu-Rohre mit englischen Abmessungen, die genau ineinander passen. In Europa mit seinen metrischen Abmessungen sind solche Rohre nicht zu bekommen.

Ich habe Rohre mit den nachfolgenden Abmessungen verwendet (die Zahlen in Klammern geben an, auf welchen Druchmesser die Rohre innen oder aussen aus- respektive abgedreht wurden)

  • Längsstreben (chines) und Kiel ohne Endstücke 20 x 2 mm
  • Endstücke Längsstreben (chines) und Kiel 16 x 2 mm (Aussendurchmesser im Einschiebebereich abgedreht auf 15.8mm)
  • Rohr-Steckverbinder innen zum Verbinden der langen Rohre für Kiel und Längsstreben 16 x 2 x 160 mm (Aussendurchmesser abgedreht auf 15.8mm)
  • 3 Stück Aufschiebe-Rohre für die Verbindung der Längsstreben und der Kielrohre in der Bootsmitte 24 x 2 x 160 mm (Innendurchmesser ausgebohrt auf 20.2 mm) 

Hüllen für Auftriebskörper

  • Coverclassic Bootsabdeckung
    Hellgrau, 205 cm breit, Art.Nr. 119.030 von Arpagaus Textil, Schweiz

Bezugsmaterial

  • Rumpf
    Blache, schwarz, matt, 155cm breit, Art.Nr. 100.471 von Arpagaus Textil, Schweiz
  • Deck Aqua Tex
    Gewebe Orange, 150cm breit, Art.Nr. 100.481 von Arpagaus Textil, Schweiz

Deck-Rigging

  • Halbring 30 mm
    Schwarz, Art.Nr. 120.100, von Arpagaus Textil, Schweiz

Reiniger und Kleber
Die mit Abstand am besten geeigneten Produkte - Das Ergebnis von umfangreichen Klebeversuchen mit einigen anderen Produkten:

  • Reiniger/Verdünner Deka VD 1
  • Kleber Deka Plastigum 77
  • Härter (10% Zugabe, optional) Deka H 15

Lieferant Schweiz Baumgartner AG

Mehr dazu ist hier zu finden Weich-PVC kleben

Bau

Baubeginn Januar 2015, Fertigstellung Februar 2016, Bauzeit ca. 90 Stunden

Es hat so lange gedauert, da ich in der Zwischenzeit verschiedene andere Boote gebaut habe. Allerdings waren einige mühselige Beschaffungsprobleme (Alurohre, Bezugsstoffe, Kleber!) auch nicht ganz unschuldig daran.

Galerie

Die Galerie kann mehrere Seiten enthalten. Die Links zum Blättern befinden sich am Ende der hier gezeigten Bilder.

Beschreibung

Arbeitsschritte ...


Erfahrungen und Erkenntnisse

Die hier aufgeführten Erkenntnisse und Erfahrungen basieren auf dem Bau des hier beschriebenen Boots.
Deren Beachtung ist für das Gelingen des Vorhabens wichtig.

  • Helling
    Die innenliegenden Hüllen für die vier Auftriebskörper und die Rumpfbespannung werden auf der Helling miteinander verklebt. Das kann man erleichtern, wenn man die beiden Seiten der Helling mit dünnen Sperrholzplatten beplankt. Man bekommt damit eine harte Fläche, auf der sich die vier Auftriebskörperhüllen perfekt spannen lassen und auf denen sich die Verklebung auch problemlos erwärmen und pressen lässt.
    Will man das tun, dann muss man die Dicke der Sperrholzplatten von den Mallen-Offsets abziehen.

  • Süllrand
  • Ich habe zwei verschiedene Süllränder angefertigt - einen aus gebogenen und verleimten Eschenleisten und einen aus einem von Hand gebogenen Aluminiumrohr. Für beide Süllränder habe ich dieselbe Biegeform verwendet. Beide sind unteilbar, da eine Teilbarkeit bei der ohnehin nicht winzig zu faltenden Hülle kaum Vorteile bringt.

    Eine interessante Variante für einen ebenfalls faltbaren Süllrand könnte aber auch die Verwendung eines Rennradschlauchs sein, den man in einem mit Klettband geschlossenen Rohr hart aufpumpt. So etwas ähnliches (aufblasbarer Süllrand) habe ich bei einem kommerziellen Hersteller gesehen, aber selbst noch nicht gebaut.

  • Weich-PVC kleben
  • Für das Finden der am besten geeigneten Methode und des dafür am besten geeigneten Klebers habe ich sehr viel Zeit aufgewendet. Der Kleber sollte perfekt haftende Verbindungen ergeben, unproblematisch und sicher in der Anwendung sein, das einfache Positionieren von Teilen und das problemlose Verkleben auch grossser Flächen erlauben und nicht zuletzt in der Schweiz lieferbar und auch bezahlbar sein. Plastigum 77 von Deka ist mit Abstand das Beste, was ich dafür gefunden habe.Hier die Ergebnisse meiner Abklärungen, Versuche und Tests.

  • Verkleben der Rumpfhülle
    Ich habe die Rumpfhülle aus dem Boden und zwei Seitenteilen zusammengebaut. Das ergibt beidseitig je eine Klebenaht zwischen Boden und Seitenteil. Damit lassen sich die bei der Verwendung eines einzelnen Stücks Plane für den ganzen Rumpf  an den Seiten entstehenden Falten vermeiden. Bei der von Tomas Yost vorgeschlagenen Methode werden die Falten beim Verkleben zusammengepresst, die vorstehenden Teile mit einem scharfen Messer abgeschnitten und der Schlitz mit einem aufgeklebten Streifen Plane abgedeckt. Je nach Farbe der Bootshülle sind diese Abdeckungern kaum zu sehen. Die Methode von Thomas ergibt eine leichtere Hülle ohne sperrige Kanten zwischen Boden und Seitenwänden.

  • Zuschneiden des Decks
    Damit das Deck genau passt, empfiehlt es sich, in der Längsrichtung in der Bootsmitte längs eine Schnur zu spannen und dann beide Deckränder symmetrisch zu dieser Schnur zu messen und anzuzeichnen. Die aufgeblasenen Auftriebskörper sind oben rund und geben wenig Anhaltspunkte, um das Deck wirklich symmetrisch hinzubekommen.

  • Verkleben des Decks
    Der von mir verwendete PVC-Kleber Plastigum 77 von Deka Deutschland ist perfekt. Die Verarbeitung - beide Flächen bestreichen, vollständig abtrocknen lassen, aufeinander legen, mit der Heissluftpistole (ca. 160 - 180 Grad) wärmen und zusammendrücken - macht diesen Kleber besonders geeignet auch zum Verkleben grosser Flächen, die genau ausgerichtet werden müssen.

    Das Deck und die Oberseite des Rumpfs mit Kleber bestreichen und vollständig trocknen lassen (man kann das problemlos ohne irgendwelche Einbussen der Festigkeit nach der Klebung auch einen Tag liegen lassen. Dann das Deck auflegen, genau ausrichten und beidseitig ca. alle 20 Zentimeter mit einem wirklich gut haftenden Klebeband (ich verwende dafür breites gewebeverstärktes Band aus dem Baumarkt)  auf dem Rumpf festkleben.
    Von der Mitte her beginnend immer je ein Klebeband ablösen, das Deck ein bisschen anheben und die Spalte auf einer Länge von 10 bis 15 Zentimetern mit dem Heissluftföhn erwärmen. Den erwärmten Bereich mit der Hand festdrücken - hält!

    Ich empfehle, die temporären Abstandhalter (PVC Plane-Streifen), die man für die Montage des Decks oben auf den Rumpf kleben muss, entweder während des Aufklebens des Decks wegzuschneiden oder ebenfalls mit dem Deck zu vekleben. Lässt man sie einfach drin, hängen sie ins Boot. Sowohl der hineinzuschiebende oder herauszuziehende gebogene Kiel als auch ein gekenterter Paddler kann daran hängen blieben. Das Zweite davon ist wesentlich unangenehmer ;-).

  • Süllrandeinfassung
    Die Süllrandeinfassung wird aus mit PVC beschichteter Plane (ca. 300g/m2)  gefertigt. Ein gerade geschnittenes Stück Plane ist dafür nicht korrekt. Zudem ist der Umfang der fertigen Einfassung am unteren Rand um etwa 8 Zentimeter kleiner als am oberen Rand. Ausserdem ist zu beachten, dass die Länge unten um ca. 3-4 Zentimeter grösser sein muss als der Innenumfang des Süllrandes selbst. Wenn beide Längen gleich sind, dann lässt sich der obere Rand nicht über den Süllrand ziehen. Daraus ergibt sich eine leicht gebogene Grundform - wie man sie von auch Gürteln kennt.
    Ich empfehle, anstelle der von Yost vorgeschlagenen Schnur zum Befestigen des Süllrands eine Gummischnur von ca. 6mm Durchmesser einzulegen. Die sitzt dann immer und problemlos stramm. Die Hülle dafür so gross sein, dass sich die Gummischnur problemlos darin bewegen kann. Die Öffnung sollte einen Druchmesser von mindestens ca. 12 mm haben. Mehr ist auch nicht falsch. Wenn man die Gummischnur gleich beim Verkleben einlegt (die aber nicht festkleben) erspart man sich späteres mühseliges Gefummel beim Einziehen derselben.

    Am einfachsten geht der Einbau ins Deck, wenn die Enden der etwas zu langen Einfassung unverklebt belassen werden, bis der Süllrand rundum unter dem Deck festgeklebt ist. Die Enden werden zuletzt beschnitten und zusammengeklebt.

  • Beheben von Verklebungsfehlern
    Auch bei aller Sorgfalt kann es vorkommen, dass man mal etwas falsch zusammenklebt. Eine Klebestelle lässt sich - auch wenn viele Leute das Gegenteil behaupten - wieder lösen. Der Rand der zu lösenden Stelle wird mit dem Heissluftföhn auf ca. 150 Grad erhitzt. Jetzt kann man die Kante etwas hochheben und den Rest mittels andauerndem Erwärmen nach und nach abziehen. Etwas Gefühl kann dabei nicht schaden. Zu starkes Erhitzen kann das PVC anschmelzen und zu heftiges Zerren an der noch fest haftenden Klebestelle kann die Plane verziehen oder einreissen.

  • Bootslänge auf die Länge der Auftriebskörper abstimmen
    Ich habe meine Bootshülle etwas zu lang gebaut. Daher ragen die Enden der aufblasbaren Auftriebskörper nicht ganz bis in die Spitzen der Bespannung. Als Folge habe ich dann beim Verkleben des Decks an den Bootsenden Probleme bekommen, die nicht notwendig gewesen wären. Die Spitzen sind halt jetzt nicht so schön geworden, wie ich das eigentlich haben wollte. Die Funktionalität leidet aber darunter nicht.
    Sorgfältigeres Nachmessen der Abständen von den Mallen eins und sechs zu den Spitzen des Kielrohrs (je um die 685 mm) beim Bau der Helling hätte das vermieden. Aber man lernt halt immer dazu ...

Verbesserungen und Ideen

  • Aufbau
    Das Einschieben der seitlichen Alustreben (chine strigers) wird wesentlich erleichtert, wenn die beiden Hüllen für die Auftriebskörper innen ab den Enden auf einer Länge von um die 1,5 Metern mit einem aufgeklebten Streifen PVC Plane so miteinander verbunden werden, dass dazwischen eine Tasche entsteht. In die kann man dann die Rohre ohne Gefummel reinschieben. Ohne diese Hilfen ist es ein bisschen fummelig, die Rohrenden der chine stringers vorne und hinten in die zwischen den Auftriebskörperhüllen befindlichen Endtaschen hinein zu schieben.

  • Ein- und Aussteigen
    Das Hinterdeck ist zum Ein- und Aussteigen zu weich. Es wird beim Abstützen darauf so stark zusammengedrückt, dass Wasser ins Boot läuft. Ich habe mir deshalb aus 300g/m2 PVC Plane einen aufblasbaren Würfel geklebt, den ich hinter dem Cockpit unter das Deck schieben kann. Hart aufgepumpt stützt er das Deck, und auch der zusätzliche Auftrieb ist willkommen. Der Querverbinder aus Aluminiumrohr hinter dem Cockpit ist nicht mehr erforderlich und kann weggelassen werden.

  • Fussstütze
    Die fest eingebaute Fussstütze - die ist nach dem Anschrauben der HDPE Halter auf den sietlichen Rohren manchmal  nicht genau dort, wo man sie haben möchte - kann möglicherweise ebenfalls durch einen aufblasbaren Rechteckkörper ersetzt werden. Auch das etwas zum Ausprobieren beim nächsten Boot.

  • Die Alurohre auf beiden Seiten (chine stringers) kann man möglicherweise ebenfalls weglassen, wenn man mit den oben beschriebenen Auftriebskörpern arbeitet. Mal sehen ...

  • Steven vorne und hinten
    Eine Option für schnelleren Auf- und Abbau besteht darin, dass man die Steven vorne und hinten aus HDPE schneidet und dann einen Rohrstummel daran verschraubt. Den braucht es hinten nur unten, vorne oben und unten. Wenn die beiden kompletten Steven eine Länge von um die 80 cm haben, kann man sie beim Zusammenfalten der Haut im Boot lassen.
    Ein zusätzliches Rohr kann in einen unter das Vorderdeck geklebten Schlauch eingeschoben werden. Dessen hinteres Ende wird an einem gebogenen Querrohr eingeklinkt, das vor dem Cockpit oben auf beiden Auftriebskörpern (sponsons) zu liegen kommt. Man bekommt so ein in der Mitte erhöhtes vorderes Deck, von dem das Wasser gut abläuft.
    Sowohl auf dem vorderen als auch auf dem hinteren Deck wird je eine wasserdicht verschliessbare Ladeluke eingebaut. Die gibt den erforderlichen Zugang zum Zusammenstecken der Rohre für den Deckunterzug und den Kiel mit den am Steven festgeschraubten Rohren. Und man kann so auch gut die Steven erreichen, wenn man die mal ausbauen möchte.

Weiterführende Informationen

Website Herausgeber / Inhalt

Biber Boote Schweiz

Ruedi Anneler, Kirchweg 4, 3294 Büren an der Aare, Schweiz
Muskelbetriebene Holzboote - Kanadier, Kajak, Ruderboot - Textilbespannter Holzrahmen, Sperrholz, Beplankt, Leistenbauweise
Informationen und Bausätze für den Selbstbau, Unterstützung beim Selbstbau, Bauen im Auftrag

Kanubauertreffen Schweiz

Paul Luginbühl
Organisation von Bootspräsentationen, gemeinsamem Paddeln, Erfahrungsaustausch und der Werbung für den Eigenbau von Kanus

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